
Shakespeare fand Pop-Prägungen, all our yesterdays, chill and tender. Aus seinen Texten erschloss Caroline Spurgeon, - dass Shakespeare leicht errötete, leicht erblasste. Er konnte wenig verbergen oder geheimhalten, er hatte keinerlei Talent für jene Art von Vorspiegelung, mit der man Bestrafung entgehen kann. WF, - er war "blöde" wie Hölderlin. - And thus do we of wisdom and of reach. With windlasse and with assays of bias. By indirections find direction out -----HAMLET 2.I,64 Und auf diese Weise finden wir Leute von Verstand und Weitblick mit Hakenlaufen, durch Bälle mit Kick und schräger Wurfrichtung, auf Umwegen die rechten Wege. (vgl. den „angeschnittenen“ Tennisball). Eigentlich kann ein Mann mit den Eigenschaften (und Texten) wie Shakespeare gar nicht gelebt haben.
Grüne Schwärze wohnt im Geleucht der Bäume (auf den Tod Max Sidows, 21. März 1966) Du stehst vor dem Schauspielhaus / dein Mantel flattert im Wind / schmerzlich klar, blau, blickt dein Auge / ein Lächeln, ein Abschied. / Senkrecht steigt der Rauch / noch spricht die Landschaft zu uns / die geduckten Häuser, die schiefen Pappeln / der Backsteinweg, Övelgönne / - Die Fledermaus flattert Figuren / sie schreibt Umrisse ins Gesicht der Nacht / deine Zeilen zeigen den Zauber / es sinken / der Katafalk / die offene Pforte, gußeisern, / von Regen betropft / Vogelfedern steigen auf, gleiten über den Strom / Geduckte Häuser unter schiefen Pappeln, / Von den gußeisernen Gittern in Övelgönne tropft der Regen, / am Strand liegen Kohlestückchen, / Splitter von Stroh, / eine Möwenfeder.
Kurz-Prosa Vorstadtbilanz vor Zierzäunen Wenn du aus dem Fenster blickst, kurz vor der Arbeit, siehst du ihn eigentlich noch, den niedrigen Zaun, den gestutzten Jägerzaun? Wenn du dich vorbeugst, so sind auch links und rechts Zäune, die den schmalen Vorgärten lauter Rechtecke setzen. Es sind Zäune zur Zierde, Zierzäune. Du verläßt dein angezahltes Vielzweckhaus, wo du schläfst, liebst und am Sonntag deine Berichte tippst. Du gehst die kurze Straße entlang bis zur Wendebucht, wo dein Auto steht. Du atmest die Vorstadtluft. Dir liegt so viel an der Wohnqualität der Walddörfer. Du hast dafür Opfer gebracht. Du, mein Mann. Und nun fährst du am Haus vorbei. Ich sehe deine hochgehobne Hand. Ich winke dir nach. Dann drehe ich mich um, gehe zum Spie#gel: Bin das ich, die mit dir das Haus teilt? Wenn ich an dich denke, schlägt mein Herz langsamer. Das ist so mit dir wie in den Bergen, wenn kein neuer Schnee fällt. Wieviel alter Schnee, der schon ein angebackene Oberfläche hat mit Schmutz drauf, liegt auf uns beiden. Ein gesprungenes Glas wird nie wieder klingen. Ich gehe hinaus, in den frühen Morgen. Ich verlasse die kurze Straße am Wendekreis. Dort führt ein Trampelpfad in den Wald. Erst ein freies Feld. Dann die Aue, die sich in Windungen ihren Weg sucht.
Frühjahr In die Windfahne gewickelt: Frühjahr mit vertikalem Licht für den Tisch am Fenster.
Überall raschelt es aus den Ecken Leicht Zeit, ohne Sanduhr, wie das Geräusch eines Triangels.
In der Schleuse des Flusses seufzt das Wasser, über das sich ein Mädchen beugte, um ihm sein Haar zu zeigen.
(Karl Krolow für Wilhelm Fink)
AUF DER WELT ZU SEIN - - - Auf der Welt zu sein z.B. mit Übernachtung in Regensburg, in der Hemdtasche ein gefalteter Zettel, die Daten der Rückfahrt. Wie das Leinen knallt, als das Laken auf die Couch schlägt, weiß die gestärkte Fläche, eine Frische, auf die man sich erst aus- + dann einrollt, die Beine anziehen, Wärme suchen, - und sich selbst in der Fremde. Seinen ersten Schrei tun, zum Beispiel mit Havel-Blick, und keiner weiß, woher man kam, die Elstern drücken sich ans Fenster, um die Goldhaube auf dem Mädchen zu sehen, - oder ist es gar kein Sonntagskind? Spöttische Vogelblicke, immer diese Zufallshüte der Menschen, die in die Welt fallen wie aus der Lotterietrommel oder hier ins Haus Carl-Maria von Weber Nr. 8, guten Morgen Herr Doktor, keine Diele knarrt aber draußen die Reichsstadt macht ein ganz altes Gesicht, Hölderlin war hier, das Oktoberlicht gibt den Rissen der Mauern einen Schimmer, da zieht dir Leuchten ins Herz, du bist ja mit einem Bein im Erwachsenenleben, du innen ganz unpoliert, Wildreis, ein Rohr, das im Wasser wurzelt und oben dem Wechsel des Lichts folgt. Angestrahlt werden, wer möchte das nicht? Sonnen- und Menschenleuchten beim Stadtgang, wenn die Schattenstunden und die Gesichter länger werden, Abschied legt sich zwischen euch, die Hand folgt der Fuge des Steins, er ist kalt, du selbst bist eine Lücke, Löcher der Welt, der man abhanden kommen kann, wenn man sich selbst verläßt und der Freundin erst das Ohr leiht und ihr dann den Mund hinhält, weil der Zug einfährt, der das Liebste fortbringt. Immer wieder werden die Felder geerntet, immer wieder gehen wir abends unter den Himmel, der als dunkle Decke näher kommt. Ach, Puck! Laß dir doch eine neue Haut aufziehen, nesselfrei, im Duft knirschfrischer Wäsche. So biegst du, hemdgestärkt, eine nesselfreie Undine, der Rand kniffglatt, um die Ecke, dein Auge blitzt, du schwenkst deine Aufmerksamkeit in die Runde, sie haben dir den Tisch gedeckt und das Lager bereitet, dir zur Liebe, die letzte Nacht, altes böhmisches Leinen, die Ausstattungstruhe stand an der Moldau im schrägen Haus, wo unten im Fluß am Grunde die Steine mitwandern und dir zeigen, was Beweglichkeit ist unter erschwerten Bedingungen, eine jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, und wenn du nun das Feld betrittst, wo du noch nie gewesen bist, erstaunt dich die schwingende Resonanz des Bodens, der dich trägt, dir Antwort gibt, du voran und hinüber aufs Ziel zu, still zu sein und wach vor Glück wer dich drüben umschließt.
An den 1. Vorsitzenden. Sich zur Verfügung stellen, den Kopf hinhalten, Zeit, Ideen, seine Sachen und sich selbst opfern, es gab in unserem Verband Zeiten, die Wirkung zeigten, Dichter auf dem Markt, Werkstattgespräche, man kam im Anschluß ins Privathaus des Vorsitzenden: Ulrike Meinhof, zweimal hatte ich mit ihr getanzt meinen eigenen Eindruck gefaßt, Rauch stieg auf und Überschwang, ihr Ehemann in der Runde lief schon aus dem Ruder Ulrike ließ mich ein Taxi rufen wie nannte sie ihn, den Konkret-Chefredakteur als sie ihn nach draußen zog? Genau hörte ich hin: MEIN MÄUSEBÄR, sagte sie, - ich bündelte das, Reinhold, in diesen Stabreim für Ulrike Meinhof: MEIN HAUS / MEIN HOF / MEIN MÄUSEBÄR Das alternative Literaturfest fand bei Claus-Rainer Röhl in der Elbvilla statt das Ehepaar von Pasczinsky schoß mit mir im Keller mit dem Luftgewehr und oben machte sich die Linke Szene über GEBRATENE WACHTELN her Es war die selbe Villa, in die Ulrike später, aus Wut und Enttäuschung über Röhl [heute Chef des Altenblattes Jacob und Adele] eindrang und in die Ehebetten schiß. Wir haben alle unsere Enttäuschungen, mit dem Liebesglück, mit Kindern, den eigenen, den fremden, mit Büchern, den eigenen, den fremden. Ob auf dem Lager, ob an der Schreibmaschine, einige scheitern: immer auf höchstem Niveau. Reinhold, es gibt keinen Frieden in uns: Wir müssen "ihnen" immer die Tücher wegziehen und zerfetzen, wo die Unweglichen sitzen: sie, die anderen, an ihren mit weißen Tischtüchern beflaggten Tafeln.

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