
Italien eine Fundgrube für Eindrücke. Palermo, ich Sprach-Unterricht in der Wohnung der Maestra (23), wohnte auch dort. Wir lernten, während sie in der Küche die Wäsche ihres Babys bügelte. Bis plötzlich das Automatik-Gestell, dieser Triumph ital.Technik, zusammenkrachte wie ein gebombtes Haus. Ich zu intensiv bei der Sache (kinetische Energie wie ein Poltergeist) Sofort rief meine Laureata ihren Mann an. Der, im Metallhandel, unterbrach das Aufrichten der Eisenstangen an der Rückwand des Normannischen Palastes und war baff.
Wer sich so wandeln könnte: / von verlangsamtem Schlepptakt (Sigrid auf Sparflamme) / zum sprühenden Wesen, dem die Stunde gehorcht / auf den Wimpernschlag im Zubiß des Rotweins, / Freisinn im großen Zeh, lose Kunst der Verzauberung: / sich dem Gast huldreich zeigen, ungebändigt, unauslotbar, / und mit dieser Tiefe, diesem schweren Ruderschlag, / dreht und treibt sich dieses Wesen mit nachtwandlerischer Sicherheit / in den Strudeln, den Zähnen, den Greifzangen, / den zustechenden Spitzen / des Glücks.
Der Augenblick der Entscheidung, in der Zeit und Ewigkeit sich berühren. Die Uhr im Kopf bewegen. Der Mann, der mit sagenhafter Langsamkeit vorangeht, aber sein Ziel, seine Richtung, sie stimmen. Dagegen die Menge, die voranstürmt, mit bahnbrechender Schnelligkeit. Leider in die falsche Richtung. Der Augenblick, wie oft hatte er sich damit beschäftigt, wie ein verrückter Engländer nach Griechenland fährt, das verzauberte Tal aufsucht, wo noch dicht an dicht die Bäume stehen und ihm den Blick versperren auf die schimmernde Bucht. Der Engländer holte aus dem Dorf hundert Männer, die jeder einen Baum so weit ansägten, daß beim Pistolenschuß alle zuglerich fielen und dem Engländer den Blick freigaben plötzlich aufs Meer, in einem blitzhaft-glüchlichen Augenblick- Eine Folge konsequenter Augenblicke ist immer eine Art von Ewigkeit selbst.
Frühlingsgetön Einströmend / in das Frühlingsgetön der Vögel und das feierliche Singen aller Natur rauschen über das Feld die Traktoren schwimmen dahin / auf wiederbelebten Fluren wo gestern noch Schnee lag Der Bauer bereitet / unter diesem rauschenden Schwall die Samen / auf sie wartet die Erde / unsere Mutter, einzigartig jung / wie der Frühling / der ausbricht / - Ein Weilchen später / wird weicher Regen fallen / glücklich wird sich die Erde wölben / der Weizen wird zum Himmel steigen / doch das wird im Sommer sein, irgendwo / heute zum ersten Mal / mit dem frühen Morgenlicht / erwachte der Wald
Sowjetlyrik, RSFSR Tatarien, Autor (geb. 1921) Saki Nuri, Nachdichtung Wilhelm Fink, erschien 1971 in Moskau in der Jubiläums-Schrift des Schriftstellerverbandes der UdSSR.
Die Gefährtin - WASSER-GRUSS ZUM ACHTZIGSTEN Wenn achtzig Winter dir Flocken auf die Brauen setzten, blickst du zurück: - wie oft und schnell die Augen den Sprung der Jahreszeiten sahen und den Blätterfall! Das Leben? War nur ein Nachmittag im Schritt am Ufer, im Gezeitenspiel, es hob und senkte sich im Tidenhub, in Stau und Ebbe: Leben, das vorübergeht.
Wenn früh im Jahr die Minze auf den Feldern blüht im Süden, klickt bei uns am Wittenberger Strand das Eis ans Gras. Stämme, ob bleich, ob schwarz, vom Meer her wirft die Elbe sie auf den Schweinesand, in Sog, in Schwall und Druck: ausufernd läuft Wasser auf, das Sturm bringt und den Möwenschrei.
Wenn achtzig Winter dir den Schnee aufs Haar geweht und Flocken sich in deine Brauen setzten, blickst du zurück: Du hast der Schleusenkammer oft den Hebel umgelegt, im feinen Regelspiel der Kräfte und im Maß ein Meister.
Wo du zuhause bist, da gibt es keine Winzerschule, im Kühlhausschatten blüht der Handel, nicht das Rot des Klatschmohns, der im Südlicht leuchtet, nein: Grau und blau glänzt deine Stadt, dem Wetter trotzend, ein windgebeuteltes Zuhause.
Wie frisch der Regen uns die Straßen und Gesichter wäscht, keck hebt der Schwan den Schnabel, wenn am Alsterfluß Weiden grünen. Schau, wie ein Sonnenstoß die Stadt belebt, weil der Nordgott die Wolken weiterschob: Und uns ein blaues Zelt die Augen und die Seele heller macht.
Der Mensch ein Fahrender in luftigem Gefährt, das niemals stille steht. Kein Fahrplan zeigt die Ankunft an und tieferatmend fragst du: wer dich lenkt.
Wenn 80 Winter im schnellen Flockenspiel vergingen, wie Schnee, der auf den Lippen schmilzt: bevor das Fest beginnt, gehst du ins Freie, ins Draußen, es ist rauh. Wenn du vorm Fest am Wasser den Mantel enger ziehst, bevor im Menschentrubel dir Stimmen sagen, wie dein Leben war, so stehst du dankbar still: denkst an die Gefährtin, die dein Los und deine Stunden teilt.
Nachsatz Dr. Karl Klasen, einst Bundesbankpräsident, feierte seinen Geburtstag in seinem Haus in der Brabandstrasse, das Grundstück reicht ans Wasser. Das Gedicht wurde von Wilhelm Wieben am Geburtstag Karl Klasens (als Gast dabei u.a. Exkanzler Helmut Schmidt) vorgelesen.
Blasse Beute in der bunten Bahn zwei Lippen schmal und streng zu einem Mund verklebt, der schweigt in ihren Nasenlöchern sitzt die Nüchternheit die sie nach vorn gebeugt verströmt die Hände grau und klein zwei Zangen, die das Ticket halten so saß sie ungeschützt vor mir in der endlos langen Bahn die auf dem Damm nach draußen fuhr zum Liebesplatz in der Natur

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