
Was fantastisch ist, zieht mich magisch an. Oft hat es fliessende Grenzen. Wer an Schutzengel glaubt und an Vorbestimmung, der ist richtig bei mir. Wenn dir Unheimliches begegnet, so bleibe ganz ruhig. Wenn weich die Wolke beiseite geht, um Platz zu machen für die kleinen Engel, die das Gewünschte bringen, dann bleibt ein Fitzelchen Licht, um den zu grüssen, der abseits steht. Da ist eine Griechin, die ihren Umriss zeigt, die ihren Diskuswurf dem Himmel anbietet als Morgen-Gabe, eine Atalanta, die Grenzen fortzaubert und den Unholden die Zähne kürzt. Die Wahrheit ist oft phantastischer als die Phantasie der Dichter. (Robert Walser, gestorben 1956 bei einem Schneespaziergang)
Im Schoß es zu finden am frühen Tag, / einen Kelch, eine Gabelstelle für Blätter und Blüten, wo sich / alles trifft, der Käfer und die honigbetaute Biene und der / Tautropfen, der in der Frühe herabrinnt - / schätze den Schoß der Dinge richtig ein und die Kraft, die im Geheimnis / ist. Wer den Punkt trifft, sieht die Sterne, und im Donnerschlag / der Sekunde die Frau zu halten mit zarter Haut, dem nassen Blick / und der Ungeduld der Neugier, dabeizusein und zu bleiben - - wer wollt da nicht zuschauen, / wenn Eiszapfen purzeln und der Winter, so streng und hart, / es dulden muß, dass seine schönste Geliebte / schmilzt und zergeht?
Wie konnte ich denn sprechen. da ich gerade träumte, im geheimen die Lichtlöcher am Himmel zu durchbrechen? - Der Philosoph H.G. Gadamer sagt über die Sprache, daß wir Menschen alles, was wir sagen, es dahingestellt sein lassen. Das heißt, dass der Hörende frei bleibt, es anzunehmen, darauf zu antworten, es nicht zu beachten. Es gilt im Mitteilen durch Sprache das Schiller-Wort. "Schone fremde Freiheit. Zeige selber Freiheit". Das Vibrieren + Mitschwingen: Gemeint ist die blitzschnelle Berührung, das Anpacken, Erfassen und Greifen. Im Moment des Findens »es« erhaschen, «es« im Zupacken halten,- eine Erleichterung, ein Glück, wenn alles »zugleich» ist, im selben Wimpern-Schlag. Wenn es kommt, das mich wieder erinnert. Darin ist die Welt selbst. Im Mund Metall schmecken, im Schuss voranstürzen.
VERZICHT GIBT sagt Heidegger, dem Komponisten Franz Schubert, als ihm das Geld ausging, empfahl man, sich das Notenpapier selbst zu zeichnen. Gottfried Benn wusste - "wir sollen alle nett sein und die Netten bekommen dann auch Preise." - Als Benn 50 Jahre alt wurde, musste er sich weder für Blumen noch Telegramme umständlich bedanken. Er sass wie immer in der Küche, seine Haushilfe unterhielt ihn darüber, dass die Rückenfalte an ihrem Kleid noch nicht sässe und nochmals aufgetrennt werden müsse.
Ein Hamburg-Gedicht - Große Elbstraße Allen Mädchen leuchten abends, wenn sie mit geschlossenen Augen sich küssen lassen, die schiefen Laternen am Hafen. - Dort, wo Fischlake rinnt zwischen Stein und Stein, die bucklig wie Brötchen sich drängen, dort, wo uns schräg von oben das Licht der Bogenlampe unter die gesenkten Wimpern schießt, schlägt das Herz urvogelgroß hin über den Atlantik. - Duckdalben im Kühlhausschatten, schwarz gegen den Himmel der Krahn neben HANIELs Backsteinspeicher, weiter oben schreien Jazzbands Zärtlichkeit. -Schuten, Barkassen, Matrosen: alles Brüder. Weltmeerzärtlichkeit zwischen Mädchenzähnen. Teertampen- und Salzwasserluft am Hafen von Altona: - Kein Matrose, war ich Bruder des Kais, wenn ich Jenny im Arm hielt, sie küßte, und auf dem gespülten Katzenkopfpflaster die hängengebliebenen Fischaugen roch, die im Dunkeln schrumpften.
noch ein Hamburg-Gedicht - Frühling, dicht bei der Rabenstraße Ein letztes Eisstück klickt entzwei, der Wirt putzt schon die Liegestühle und telephoniert nach seinen Miet-Tret-Booten, man wird sie aus dem Lager schaffen und sie der Reihe nach dem Ponton anbinden, wo schon kariert gedeckte Tische stehn.
Ein Mädchen läuft den Steg entlang und steigt mit windbewegtem Haar aufs weiße Alsterschiff. Eine Möwe belebt, entsegelnd, die Planken mit einem zukunftsfrohen Klecks.
Das Mädchen hält die Lippen In den Wind und schaut aufs Wasser, sieht den Kahn, der die Schwäne aussetzt, als weiße Bälle zwischen ersten Seglern sind sie im Norden Gäste, die für uns tauchen, schwimmen und bald flauschig-graue Junge haben.
Wieder strebt das Mädchen über einen Steg, diesmal regennaß. Die Fliesen auf den Bürgersteigen sind blank vor Sauberkeit. Das tack-tack der Schritte, rhythmisch-keck, fällt in die Gärten ein.
Weiße Häuserfronten leuchten. Eine Wendung, die Hand am kühlen Pfortengriff, dann geht das Mädchen hin zum Haus, zum herben, dunkelblonden Tee zu zweit.
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